Fernsehen auf dem Handy – ein Flop?
26. September 2009Seit die technischen Möglichkeiten der neuen UMTS-Handys es erlauben, und seit auch im mobilen Bereich eine ausreichend hohe Bandbreite für die Übertragung von Live-Streams zur Verfügung steht, bieten einige Netzbetreiber in Österreich und Deutschland auch Fernsehen am Handy an. Technisch war die Entwicklung kompliziert und aufwendig – und jetzt scheint das Interesse der Kunden, zumindest der breiten Masse, doch eher auszubleiben.
Was im ersten Moment verwundern mag, hat eigentlich eine recht einfache Erklärung: Der Reiz des Fernsehens, so verraten uns Psychologie und Medienforschung, liegt für uns in einer Art “projektiven Identifikation” mit dem Geschehen auf dem Bildschirm – wir “springen” dabei in das Bild und erleben alles, vor allem gefühlsmäßig, deutlich mit, während wir unsere Umgebung dabei ausblenden. Bei einem Handy-Bildschirm, sei die Auflösung auch noch so gut, ist das aber nicht möglich – er ist einfach zu klein, um unser ganzes Gesichtsfeld auszufüllen, und macht damit ein “ins Bild springen” für uns nicht möglich.
Gezeigte Filme wirken flach und reizlos. Es macht dabei – und das gibt schon zu denken, auch kaum einen Unterschied, ob es sich um einen Film, eine Dokumentation oder eine Nachrichtensendung handelt. Dasselbe gilt übrigens auch aus ähnlichen Gründen für den PC-Monitor. Tatsächlich bestätigen Umfragen auch, dass sich die breite Mehrheit keinesfalls mit dem Gedanken von Fernsehsendungen oder Serien und schon gar nicht von Filmen weder am Handy noch am PC-Monitor anfreunden könnte, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Affinität zur modernen Technik.
Anders liegt die Situation allerdings bei den kurzen Video- und Music-Clips – hier spielt dieser Effekt praktisch keine Rolle, da wir das Geschehen normalerweise nicht “miterleben” – die Bilder sind nur ein bisschen Beiwerk, und solange das Bild überhaupt noch erkennbar ist, scheint das keinen Abbruch zu tun.
Quasi als Abhilfe sind auf dem Markt zwar “Mini-Beamer” erhältlich, wenn auch noch relativ teuer, die, ans Handy angeschlossen, dort gespeicherte Filme mit eigentlich recht guter Qualität an die Wand projizieren können – aber der Absatz und auch das Interesse an diesen Geräten gehen praktisch gegen Null. Hier dürfte vor allem die unvermeidbare Transparenz projizierter Bilder das echte Miterleben unmöglich machen, und daher für Ablehnung sorgen.
So gesehen scheint es wohl ziemlich ausweglos, den Handynutzern noch zusätzlich Fernsehprogramme andrehen zu wollen, damit ist kein Geld zu machen – spannend wird allerdings zu sehen, wohin die Entwicklung dieser Technik noch führen wird.
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